Niedrige Hypothekenzinsen in Europa: Droht eine Immobilienblase?

Die europäische Wirtschaft kämpft nach Jahren des anämischen Wachstums darum, wieder in Schwung zu kommen. Aber die Tiefstzinsen, die einen Aufschwung antreiben sollen, führen zu einem Immobilienboom, der neue Probleme generiert. Droht eine Immobilienblase?

Billiges Geld steigert die Risiken einer Immobilienblase

Das Geld ist so billig – eine 20-jährige kann zu einem Zinssatz von weniger als 1 Prozent aufgenommen werden – dass die Kreditnehmer in Scharen Wohnungen und Häuser kaufen. Und institutionelle Anleger, die eine Chance auf lukrative Renditen sehen, erwerben in ganz Europa eine Vielzahl von Wohnimmobilien in den Städten.

In einigen Teilen Europas haben die Bewertungen bereits wieder das Niveau vor der Schuldenkrise des Kontinents vor einem Jahrzehnt erreicht oder sogar übertroffen, was die Befürchtung nährt, dass der Immobilienboom ein schlechtes Ende nehmen könnte.

Die Risiken sind real, denn die negativen Zinsen in Europa sind real, wie die Informationen auf hypothekenzinsen.net zeigen. Für die gesamte Wirtschaft ist es wichtig, das Entstehen einer gefährlichen neuen Blase zu verhindern.

Aktionen der EZB verstärkten die Immobiliennachfrage

Die Nachfrage ist in den fünf Jahren, seit die Europäische Zentralbank einen ihrer Leitzinssätze unter Null gedrückt hat, stark angestiegen. Daraufhin sind die Immobilienpreise in Frankfurt, Amsterdam, Stockholm, Madrid und anderen Ballungszentren um mindestens 30 Prozent gestiegen, in Portugal, Luxemburg, der Slowakei und Irland im Durchschnitt um über 40 Prozent.

Das hat dazu geführt, dass Wohneigentum für die meisten Menschen immer unerschwinglicher wird, während gleichzeitig die Mieten in die Höhe getrieben werden. Eine politische Gegenreaktion ist im Gange, da die europäischen Bürgermeister mit Mietkontrollen, höheren Grundsteuern und Programmen für subventionierten Wohnraum in den Markt eingreifen.

Während die niedrigen Zinssätze zu einem Aufschwung in der Eurozone beigetragen haben, sagen viele Ökonomen, dass diese Politik der EZB mehr schadet als nützt und die Bemühungen der Zentralbank, die Ungleichheit umzukehren, zu trüben scheint. Sie haben grundlegende Probleme wie schwache Unternehmensinvestitionen nicht gelöst. Auch haben sie die Inflation – die zur Erhöhung der Löhne beiträgt – nirgendwo anders als auf dem Wohnungsmarkt wiederbelebt.

Die Finanzbehörden sind in Alarmbereitschaft vor einer Immobilienblase. Im September letzten Jahres rief der Europäische Ausschuss für Systemrisiken, ein Zweig der Europäischen Zentralbank, der zur Regulierung des europäischen Finanzsystems beiträgt, elf Länder, darunter Luxemburg, Österreich, Dänemark und Schweden, auf, Regelungen und steuerliche Maßnahmen zu ergreifen, um die Preise zu drosseln und die Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit von Wohnraum zu fördern.

Die Deutsche Bundesbank sagte kürzlich, dass die Immobilien in deutschen Städten um 15 bis 30 Prozent überbewertet seien – mit anderen Worten, es gebe bereits eine Immobilienblase. Eine UBS-Umfrage nannte München, Frankfurt, Amsterdam und Paris als gefährdete Städte. Und eine Studie der weltweit tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche warnte, dass die durchschnittlichen Hauspreise „das Vorkrisenniveau übersteigen werden“, wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen wie geplant auf Null hält.

Nicht alle Ökonomen sehen eine Immobilienblase

Andere Ökonomen sagen, dass die Bedenken in Europa übertrieben sind und dass die Immobilienpreise zwar teilweise überbewertet sind, aber nicht in einer Gefahrenzone liegen. Zum einen hat die Schaffung von Arbeitsplätzen durch den wirtschaftlichen Aufschwung, so lahm oder ungleichmäßig sie auch ausfallen mag, die Reihen der kreditwürdigen Kreditnehmer erweitert. Und die Käufer leben hauptsächlich selbst in Immobilien oder vermieten diese.

Das Angebot an städtischem Wohnraum hat jedoch mit der daraus resultierenden Nachfrage nicht Schritt gehalten. Anbieter wie Airbnb haben die Krise noch verschärft, indem sie Wohnimmobilien in Ferienwohnungen umgewandelt haben. Die Folge ist ein Mangel an erschwinglichem Wohnraum, insbesondere im Mietsektor, wodurch Personen mit mittleren und niedrigen Einkommen, die in Städten arbeiten, sich aber das Wohnen in den Städten nicht leisten können, unter Druck geraten.

Internationale Investoren verändern Anlageverhalten

Die Dynamik verschlechtert sich in dem Maße, in dem sich in- und ausländische Investoren von der ehemals fast ausschließlichen Konzentration auf gewerbliche Immobilien nun auf den Erwerb von Wohnraum in ganz Europa konzentrieren. Pensions- und Versicherungsfonds, die in der Regel in Staatsanleihen investieren, können durch die Niedrigzinsen damit kein Geld verdienen. Zugleich befürchten sie einen Börsenexodus. Das hat sie in Immobilienfonds getrieben, die im Vergleich zu Anleihen hohe Renditen bieten.

Mieten und Hypotheken kosten heute durchschnittlich ein Viertel des Monatseinkommens, gegenüber 17 Prozent vor zwei Jahrzehnten. Ein Zehntel der Europäer gibt über 40 Prozent seines Einkommens für Wohnraum aus. Für die ärmsten Haushalte sind die Raten deutlich höher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird vertraulich behandelt.

Name *
Email *
Website